Archive für 3.1.2010

ernste Unterhaltung mit einem Kuscheltier

Geschichten aus unseren Elterninterviews Folge XIII

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Isabell hat Streit mit ihrer Mutter gehabt.  Isabell hatte versucht ihrer Mutter die daneben gegangene Klassenarbeit zu verheimlichen. Aber die hatte etwas geahnt und unbedingt das Heft sehen wollen. Und dann kam die Standpauke. Natürlich wäre das nicht passiert, wenn sie mehr geübt hätte. Dabei waren die neuen Matheaufgaben eigentlich nicht einmal schwer. Aber sie hatte halt was anders zu tun letzten Donnerstag. Und als dann die Hefte ausgeteilt wurden und die Lehrerin sagte: “Wir schreiben heute eine Klassenarbeit,” hatte sie gleich gewusst, dass das jetzt voll ins Auge gehen würde.
Ihre Mutter konnte mit Isabells Entschuldigung nichts anfangen und wurde ärgerlich. So ginge das nicht, sagte sie.
Nun ärgerte sich Isabell  ja schon selber und deshalb wurde sie noch ärgerlicher, als jetzt auch noch ihre Mutter auf der Sache herumhackte. Und sie knallte mit den Türen und verschanzte sich in ihrem Zimmer.  Und da blieb sie den ganzen Nachmittag und weinte vor sich hin. Nach ein paar Stunden klopfte ihre Mutter an die Tür, aber Isabell war immer noch sauer und schickte ihre Mutter eingeschnappt weg. Und die sagte nur: “Gut, wenn du noch immer so stinkig bist, dann bleibst du am besten für den Rest des Tages in deinem Zimmer!” Und ging weg.

Nun war Isabell erst richtig verzweifelt. Heute Abend war ein Film im Fernsehen, den sie unbedingt hatte sehen wollen. Wenn Mama sie nun wieder wegschicken würde! Und außerdem war es gemein, dass alle mit ihr böse waren und keiner sie tröstete. Als wäre sie glücklich über die blöde Mathearbeit! Isabell griff sich ihr altes Kuscheltier, den Teddy Knautsch, der noch immer auf ihrem Bett saß und dem sie jeden Abend gute Nacht sagte, bevor sie einschlief. Jetzt nahm sie ihn in den Arm wie in alten Zeiten. Er sah sie noch genauso vertraut und lieb an, wie er es immer getan hatte. Und Isabell fühlte sich gleich ein  bisschen wohler.

Inzwischen war der Vater nach Hause gekommen und die Mutter hatte ihm von der Lage erzählt. Leise schlich der sich zur Zimmertür von Isabell und wollte gerade anklopfen, um seine Tochter ein wenig zu trösten, als er hörte,wie sie schluchzte und dabei mit jemandem sprach. Er zögerte und blieb ganz still stehen.

“Weißt du, Knautsch, die verstehen mich einfach nicht, Mama nicht und Papa bestimmt auch nicht. Ich bin so wütend wegen der Arbeit und dann schimpfen sie noch mit mir.  Manchmal komme ich mir hier sowieso vor wie bei fremden Leuten, weißt du? Nur du bist wirklich auf meiner Seite, mein alter Knautsch. Du hält’s immer noch zu mir, obwohl ich schon so groß geworden bin und alle nur meinen, dass ich endlich vernünftig zu sein habe. Ich will aber gar nicht vernünftig sein, weißt du? Ich will gar nicht groß werden.  Diese blöde Schule geht mir sowieso auf den Geist. Und überhaupt, warum darf ich eigentlich nicht so lange aufbleiben wie Marcel? Der ist auch nur ein Jahr älter als ich. Auf der einen Seite soll ich vernünftig sein und auf der anderen Seite bin ich noch für alles zu klein. Sie wissen einfach nicht, was sie wollen. Bei dir kann ich so sein, wie ich bin, Knautsch. Gut dass es dich gibt. ”
Es folgte ein lautes Schnauben, Isabell putzte sich die Nase, die sicher vom Weinen schon ganz rot geworden war. Der Vater nutze das laute Geräusch, um schnell von der Tür zu verschwinden.
Eine halbe Stunde später klopfte er fröhlich an Isabells Zimmertür und fragte: “Hallo Schätzchen, jetzt kommt gleich der Film, den du doch sehen wolltest. Komm, ich glaube das wird dir ganz gut tun nach allem, was du heute hast durchmachen müssen.”
Einen Moment war es still, dann kam seine Tochter heraus und wischte sich übers Gesicht. “Danke, Papa”, sagte sie und schlüpfte an ihm vorbei Richtung Sofa. Knautsch hatte sie dabei.

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