Archive für 10.11.2009

Wie setzen Eltern die Kuscheltiere in ihrer Erziehung ein?

Beobachtungen aus meinen Elterninterviews

Bis auf wenige Ausnahmen nutzen die  Eltern die Kuscheltiere ihrer Kinder im Kontext der Erziehung und ihres Kontaktes mit den Kindern.

Einige Eltern sehen sie als Helfer an, die sie unterstützen und entlasten und die ihnen Arbeit abnehmen.

 

  1. Eltern nutzen die bestehende gute Beziehung zwischen Kind und Kuscheltier in Situationen, um ihrem Kind bei schwierigen Situationen zu helfen.
    Diese Einsatzebene findet sich bei fast allen Eltern.
  • Einschlafhilfe (viele Kinder nehmen sich ihr Kuscheltier selber zum Einschlafen aber Eltern greifen aktiv darauf zurück, wenn das Kind in einer besonderen Situation ist)
  • zum Trösten
  • zur Beruhigung   teddyklinik-d.jpg
  • zum Angst Nehmen
  • zum Ablenken von Schmerzen oder Langeweile
  • als Begleitung des Kindes in schwierigen Situationen (alleine Busfahren, im Krankenhaus darf das Kuscheltier bleiben, die Mutter muss gehen..)
  • zum Wecken, damit der Tag schön anfängt

 

  1. Viele Eltern setzten das Kuscheltier gezielt ein, um über seine Attraktivität beim Kind etwas auf nette, freundliche Art zu erreichen.
    Die Beziehung zum Kuscheltier wird im Interesse der Eltern genutzt.
    Auch diese Einsatzebene ist oft vertreten. Sie funktioniert allerdings nur da, wo es eine enge Beziehung zum Kuscheltier gibt und wo Eltern diese wahrnehmen.
  • Das Kuscheltier wird als Modell genutzt, das etwas kann oder macht, was das Kind auch machen soll (Zähneputzen, Essen, sich impfen lassen)
  • Das Kuscheltier wird zur Motivierung und als Ansporn bzw. als Belohnung genutzt (das Kind soll wieder lachen, sich wieder vertragen, sich richtig verhalten, die Hausaufgaben machen)
  • Mit Hilfe des Kuscheltieres gelingt es Eltern, mit dem Kind wieder in Kontakt zu kommen, wenn es wütend, bockig, verzweifelt war und sich in eine Ecke zurückgezogen hat.
  • Mit dem Kuscheltier wird dem Kind etwas erklärt oder geübt, für das es sonst vermutlich keine Aufmerksamkeit aufbringen würde.
  • Entwöhnung vom Schnulli mit Hilfe des Kuscheltiers

 

  1. Eltern setzen das Kuscheltier als neutrale Person ein, die zwischen Kindern vermitteln und Konflikte lösen soll.
    Diese Einsatzebene ist nur vereinzelt aufgetreten.
    Das Kuscheltier ist hier das Alterego der Eltern.
    Das Kind erlebt, das Kuscheltier als eine Person, die außerhalb seines Machtbereiches liegt und nicht seine Gefühle und Interessen teilt. Aber es erlebt es als fair und nicht unbedingt als gegen sich gerichtet.

 

  1. Eltern nutzen das Kuscheltier als direktes Erziehungskorrektiv, das an ihrer Statt handelt und mit dem Kind interagiert.
    Diese Einsatzebene ist relativ verbreitet.
  • Das Kuscheltier kritisiert das Kind und zeigt ihm sein Fehlverhalten auf (”Dein Löwe hat mir erzählt, was du gemacht hast und er ist ganz böse auf dich deshalb.”.
  • Das Kuscheltier verlangt ein anderes Verhalten (”Löwi will, dass du dich in Zukunft nicht mehr so anstellst!”)
  • Durch die dem Kuscheltier unterstellten Gefühle und Aussagen soll das Kind zur Einsicht kommen oder zu einem veränderten Verhalten angehalten werden („Jetzt ist Pferdi aber traurig!“,“ „Das mag Hasi aber gar nicht, wenn du so bockig bist“).
    Hier greifen Eltern in die Beziehung zum Kuscheltier ein und bestimmen sie, belasten sie und können sie auch zerstören.

 

  1. Die Eltern drohen dem Kind mit Kuscheltier-Entzug oder führen diesen auch durch.
    Nur zwei der insgesamt 45 Eltern haben einen solchen Einsatz der Kuscheltiere ihrer Kinder in Erwägung gezogen.
    Hier verletzten die Eltern die Regeln der Kuscheltier-Beziehung: Diese Beziehung steht außerhalb der Beziehung Kind-Eltern und Eltern sollten sich nicht ungefragt einmischen oder diese Beziehung von sich aus bestimmen wollen.

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