Gehen Kinder mit Kuscheltieren anders um als mit sonstigem Spielzeug?
Beobachtungen aus meinen Elterninterviews 
Nach Sichtung der 45 ausführlichen Elterninterviews zeichnen sich jetzt die ersten interessanten Ergebnisse ab. Wir haben aus den Elterngesprächen entnommen, wie ihre Kinder mit ihren Kuscheltieren umgehen, ob es da Unterschiede gibt zum Umgang mit dem Auto, dem tollen Playmobilhaus, dem Playstation.
Deutlich ist zum einen geworden: Kuscheltiere sind kein Spielzeug. Sie stehen nicht in Konkurrenz zu den anderen attraktiven Sachen, die Kinder heute so zu Hause haben. Mit ihnen wird zwar auch im eigentlichen Sinne gespielt, aber das sind dann vor allem Rollenspiele. Wichtig ist das Kuscheltier und insbesondere das Lieblingskuscheltier nicht, weil man damit so gut spielen kann. Wichtig ist es, weil es für das Kind ein Freund, ein Spielkamerad, ein Wesen ist, das Wärme und Sicherheit gibt.
Aus dem Unterschied im Umgang mit Kuscheltieren und Spielsachen, von dem die Eltern berichten , geht das ganz deutlich hervor.
Von 36 Kindern, zu denen wir eine Antwort zu diesem Thema erhalten haben, gehen nach Beobachtung ihrer Eltern 30 anders mit Kuscheltieren um als mit ihren sonstigen Spielsachen. Nur bei 6 Kindern konnten die Eltern keinen Unterschied im Verhalten der Kinder feststellen. 6 Kinder waren es auch, die offenbar kein besonderes Interesse an Kuscheltieren zeigten und in ihnen eigentlich eher langweilige Spielzeuge sahen. Denen standen jedoch 3 Kinder gegenüber, die sich für Kuscheltiere um ein Vielfaches mehr interessierten als für andere Sache zum Spielen. Aber eigentlich ist das egal. Es besteht bei den weitaus meisten Kindern keine Konkurrenz zwischen Plüschhasem und Ferrari oder Barbies Frisierkommode.
Aber wie unterscheidet sich nun der Umgang mit dem Kuscheltier zum Umgang mit Spielsachen?
Ich habe die Beobachtungen in fünf Punkten gebündelt:
1. Kinder beschützen und behandeln ihre Kuscheltiere liebevoll.
Kuscheltiere werden von ihren Kindern oft fürsorglich, liebevoll, auch rücksichtsvoll behandelt. Sie fliegen nicht durchs Zimmer wie die anderen Sachen, sie liegen nicht auf dem Boden und werden unter anderen Gegenständen verschüttet oder übereinander gestapelt. Wenn man auf Legosteine tritt, dann ist das kein Problem, auch wenn sie mal kaputt gehen können. Aber wenn die Mutter aus Versehen auf ein Kuscheltier treten würde, dann wäre das schlimm, obwohl es ihm als Stoffbündel sicher nichts ausmacht. Kuscheltiere werden so hingesetzt, dass sie einen guten Platz haben, nicht runterfallen können und auch was sehen können. An ihnen wird eher selten die Wut ausgelassen. Sie dürfen nicht dreckig werden. Auch wilde Jungen fassen ihre Kuscheltiere eher sanft an. Kinder sorgen für ihre Kuscheltiere und sie behüten sie. Manches wird gefüttert, abends zugedeckt, aber alle stehen unter dem Schutz ihres Kindes, das nicht achtlos oder grob mit ihnen umgeht. Ein Kind hat vor einem Kuscheltier Respekt und achtet es sozusagen als Person.
2. Kinder gehen mit Kuscheltieren um wie mit eigene Persönlichkeiten
Auch wenn kaum ein Kind jenseits der fünf glaubt, sein Kuscheltier sei wirklich ein lebendes Wesen, so sehen doch viele in ihrem Kuscheltiere etwas Lebendiges, jemand mit Namen und Gesicht, jemand der Eigenschaften hat, der hören, sehen, fühlen kann, der traurig oder fröhlich sein kann. Für viele ist das Kuscheltier ein aktiver Partner, der nicht nur beschützt und umsorgt werden will, sondern der aktiv am Leben des Kindes teil hat. Viele Kuscheltiere singen abends für ihre Kinder mit der Stimme der Mutter Schlaflieder, etliche erzählen ihrem Kuscheltier, was sie erlebt haben oder teilen ihm einen Kummer mit. Sie zeigen ihm den neuen blauen Fleck oder das kaputte Auto, sie setzten ihr Kuscheltier neben sich, wenn sie Hausaufgaben machen müssen oder am PC spielen. Ein Junge gab seinem Teddy im Sandkasten immer eine eigene Schaufel ab. Und Kuscheltiere hören geduldig zu, aber es gibt auch welche, die antworten und sich aktiv am Familien- oder Zwiegespräch beteiligen. Spielsachen sind Sachen und unsere Kuscheltiere sind Persönlichkeiten mit Eigenleben.
3. Kinder suchen die Nähe zu ihrem Kuscheltier. 
Das zeigt sich vor allem darin, dass Kuscheltiere immer mit ins Bett dürfen und sollen (mindestens das Lieblingskuscheltier). Spielzeug kommt nicht mit ins Bett und das nicht nur, weil es vielleicht hart und kantig ist. Seinen Lieblingstraktor parkte ein Junge wochenlang neben seinem Bett-Kopfende. Aber in seinen Armen lag des Nachts Schnuffi und durfte von da oben mit dem Kind zusammen den Traktor bestaunen. Kuscheltiere, insbesondere natürlich die Lieblingskuscheltiere, werden nicht weggeräumt, wenn man sie nicht mehr braucht. Sie haben feste Plätze, müssen immer präsent sein, griffbereit, sicher.
Manches Kuscheltier wird zudem ständig herumgeschleppt. Es gibt Kinder, die bewegen sich nur mit dem Kuscheltier in der Hand. Zwar ist die Nähe vor allem des Nachts gewünscht und wichtig. Aber dort auf den Betten warten sie mit Sicherheit und das auch noch viele Jahre, nach dem das Kind ‘eigentlich nicht mehr mit Kuscheltieren spielt’. Es ist eben nicht das Interesse an der Sache, nicht die Attraktivität eines Spieles, nicht seine Aktualität , die die Beziehung eines Kindes zum Kuscheltier erhält und als stabile Lebensabschnittspartnerschaft alle möglichen Phasen Trends im Kinderzimmer übersteht. Es ist die Nähe und Vertrautheit zu einem Wesen, das dort auf einen wartet und das ganz zu einem hält.
4. Manche Beziehung zwischen Kuscheltier und Kind ist eine Liebesbeziehung.
Eltern berichten erstaunliche Geschichten, von Kindern, die zärtlich mit ihren Kuschels umgehen, die sich um sie sorgen, die ohne Ihren Kuschel nicht leben können, für die dieses Wesen das Ein und Alles darstellt. Das ist keine Art von Liebe, die ein Kind für sein neues empfindet. Das ist viel mehr als Besitzerstolz und Begeisterung. Das ist auch Sorge und tiefe Zuneigung.
5. Mit Kuscheltieren gehen die Kinder phantasievoller um.
Einige Eltern hoben besonders hervor, dass Kinder durch die Kuscheltiere zu phantasievollerem Spiel und zu kreativen Rollenspielen angeregt würden. Kuscheltiere sind nicht festgelegt auf eine bestimmte Funktion oder Möglichkeit, mit ihnen zu spielen. Sie bieten eine Fülle von Einsatzmöglichkeiten an. Man kann mit ihnen spielen, aber vor allem kann man mit ihnen vertraut zusammen sein. Eine Mutter erzählte: Mit dem Lieblingskuscheltier kuschelt sie und das ausgiebig, die anderen werden ‘bespielt’.