Nili der Wächter

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Eigentlich wäre ja heute ein Hase dran. Aber merkwürdiger Weise gab es im Kuscheltierleben meiner Kinder kaum Hasen. Deshalb erzähle ich heute eine andere Geschichte, die von Nili, dem Wächter.

Als meine älteste Tochter den Übergang von der kleinen, familiären Krippengruppe in die Kindergartengruppe mit 25 Kindern nicht so recht verkraften konnte, fing sie an einzunässen, nachts und anfangs sogar tagsüber.

Die Probleme wurden bewältigt, das Kindergartenleben  bekam langsam ein anderes Gesicht. Sie konnte sich allmählich dort locker bewegen und schloss Freundschaften. Aber das nächtliche Einnässen blieb. Eine ziemliche Strapaze für alle Beteiligten und eine tägliche Demütigung für das Kind selber. Medizinisch war alles abgeklärt. Aktuelle Probleme waren nicht mehr sichtbar. Aber das nächtliche Einnässen blieb und alle die üblichen Bemühungen und Hausmittel nutzen nichts.

Auf dem Nachhauseweg von der Arbeit kam ich an einem Jahrmarkt vorbei. Eigentlich wollte ich schnell nach Hause, da fiel mein Blick auf ein kleines grünes Nilpferd, das mit vielen anderen Kuscheltierkumpeln an der hohen Hinterwand einer Losbude aufgereiht war. Man konnte es gewinnen, nicht mit einem einzigen Los (bei sowas rechnete ich mir keinerlei echte Chancen aus), sondern mit einigen kleineren Gewinnlosen, die man ansammeln konnte. Das Nilpferd und mich trennten etwa 20 Losversuche, das Los zu 50 Pfennig damals. Irgendwann fehlte mir nur noch ein einziges Gewinnzettelchen, um das ich erbittert kämpfte. Und dann war es soweit. Mein grasgrünes Nilpferd wurde mir überreicht.

Zu Hause erzählte ich beim Abendbrot, dass mich unterwegs ein kleines grünes Nilpferd angesprochen hätte, dass davon gehört hätte, dass hier bei uns ein Nachtwächter gebraucht würde. Alle staunten. Und dann eröffnete ich , dass Nili ab sofort die Aufgabe übernehmen wollte, bei Jenny im Bett Wache zu halten, damit sie in Ruhe schlafen könne und keine Angst haben müsse, dass sie wieder ins Bett macht. Nili bekam den strikten Auftrag, Jenny zu wecken, wenn er merken würde, dass es gleich losgehen könnte. Er sollte sie dann wecken und mit ihr schnell zur Toilette gehen oder auch einen von uns Eltern holen, um ihr zu helfen.

Beim Schlafengehen  an diesem Abend wurde Nili noch einmal ordentlich in seine Aufgabe eingeführt. Er setzte sich neben das Kopfkissen und ich schärfte ihm ein, auf jeden Fall die ganze Nacht die Augen offen zuhalten und gut auf mein Kind aufzupassen. Nili versicherte, das sei sein Job. Deshalb sei er ja schließlich da.
Jenny lächelte ihn an und war schon eingeschlafen, als wir noch miteinander verhandelten. Und sie schlief durch und das Bett blieb trocken. Am Morgen wurde Nili von Jenny und mir sehr gelobt. Und jeden Abend wurde ihm seine Aufgabe neu eingeschärft.
Das ging so noch etwa 14 Tage. Meine Tochter machte nicht ein einziges Mal mehr ins Bett. Sie wurde zusehends fröhlicher und übernahm die abendliche Instruktion ihres kleinen grünen Wächters bald selber.

Irgendwann wanderte Nili von seiner Kopfkissenseite in die Arme der schlafenden Jenny. Der Kuschel-Wächter hatte seine Aufgabe erfüllt.

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